Niedrigster Wert seit 1990

18.01.2024

(PA_Umweltbundesamt) – Die Treibhausgas-Emissionen in Österreich sind von 2021 auf 2022 um 5,8% gesunken und liegen bei 72,8 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent, so die Treibhausgas-Bilanz des Umweltbundesamtes für das Jahr 2022. Das bedeutet ein Minus von rund 4,5 Mio. Tonnen im Vergleich zum Jahr 2021.

Trotz eines deutlichen Wirtschaftswachstums erfolgte der Emissions-Rückgang in  allen Bereichen, also im Gebäude-Bereich, im Verkehr, in der Landwirtschaft, der Abfallwirtschaft und der Industrie. Damit ist nach den vorläufigen Daten der niedrigste Wert der Emissionen seit Beginn der Erhebungen 1990 erreicht.

Nach dem Zuwachs im Jahr 2021 war das Jahr 2022 geprägt von dem im Februar begonnenen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, den damit verbundenen Verwerfungen bei den Energiepreisen sowie dem deutlichen Anstieg der Teuerungsrate. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im Vergleich zum Vorjahr 2021 um rund 4,8%, die Bevölkerung wuchs um 1,1%. Aufgrund der warmen Witterung im Jahr 2022 fiel die Zahl der Heizgradtage gegenüber dem Vorjahr um 12,8% und liegt leicht unter dem langfristigen Trend. 

Die aktuelle Treibhausgasbilanz des Umweltbundesamts zeigt, dass die Treibhausgasemissionen erstmals nicht nur in der Prognose sinken, sondern auch in der Realität.

Grafik Treibhausgasemissionen nach Klimaschutzgesetz

Emissionen nahmen in fünf von sechs Sektoren außerhalb des Emissionshandels ab

Nach dem Anstieg im Jahr 2021 kam es laut der Treibhausgas-Bilanz des Umweltbundesamtes 2022 in vielen Bereichen zu deutlichen Emissionsrückgängen.

Für die Bereiche Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Abfallwirtschaft zeigt die Treibhausgas-Bilanz eine Reduktion der Emissionen im Vergleich zu 2021. Im Verkehrssektor sind die Emissionen um 4,6% gesunken. Im Sektor Gebäude gab es einen Rückgang der THG-Emissionen um rund 17%, dies ist auch auf die geringe Anzahl von Heizgradtagen, die Preisentwicklung auf dem Energiemarkt und die stark gestiegenen Umstellungen auf klimafreundliche Heizungen zurückzuführen. Im Sektor Energie und Industrie (ohne Emissionshandelsbereich) sind 2022 die THG-Emissionen um 3,6% im Vergleich zum Vorjahr 2021 gestiegen. Rückgänge sind im Sektor Landwirtschaft (-0,9%) und der Abfallwirtschaft (-3,4%) zu verzeichnen. Bei den F-Gasen (-1,1%) setzt sich der abnehmende Trend der letzten Jahre fort.

Insgesamt ergibt sich für die Emissionen außerhalb des europäischen Emissionshandels (Non-ETS-Bereich) eine Reduktion um circa 5,0% bzw. rund 2,4 Mio. Tonnen. Der Zielwert im Non-ETS-Bereich (47,4 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent für das Jahr 2022) wurde um 1,2 Mio. Tonnen unterschritten. 

Für die Energie- und Industrieunternehmen, die dem Emissionshandel zugeordnet sind, zeigt die aktuelle Treibhausgas-Bilanz für 2022 eine deutliche Reduktion um rund 7,2% (2,1 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent). Das ergibt sich unter anderem durch die niedrigere Stahlproduktion und den mehrmonatigen Betriebsausfall der Erdölraffinerie.  

Die Reduktionsziele für den Emissionshandelsbereich werden auf europäischer Ebene geregelt und sind in den nationalen Klimazielen nicht enthalten.

Ausblick 2030 und 2040

Um die europäischen Ziele zu erreichen, braucht es rasch weitere zusätzliche Maßnahmen und klare Rahmenbedingungen. Österreich muss seine Emissionen bis 2030 um 48% gegenüber dem Jahr 2005 reduzieren, um Strafzahlungen in Milliardenhöhe zu verhindern.

Für die Klimaneutralität Österreichs im Jahr 2040 sind weitreichende Transformationsschritte vor allem zur Reduktion des Gesamtenergieeinsatzes sowie zum Ersatz fossiler durch erneuerbare Energie erforderlich.