Wärmewende: Fehlende politische Steuerung …

Kostenersparnis: 15 Mrd. Euro Weiter Erneuerbaren-Anteil sinkt um 16,7%

und notwendiger Instrumentenmix

01.10.2026

(PA_EEÖ) – Wie Österreich die Wärmewende auf Kurs bringt und den Umstieg von fossilen Öl- und Gasheizungen auf klimafreundliche Heizsysteme voranbringen kann, diskutierte der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) beim gestrigen „Fachdialog: Politische Steuerung der Wärmewende – Mit den richtigen Mitteln raus aus Öl und Gas beim Heizen“. Expert:innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis besprachen die Ursachen der schleppenden Defossilisierung des Gebäudesektors und diskutierten Instrumente, mit denen der Heizungstausch planbar, wirksam und sozial verträglich gelingen kann.

„Damit saubere und leistbare Wärme rechtzeitig für alle Haushalte in Österreich zur Verfügung steht, braucht es von der Politik einen Mix aus verschiedenen Steuerungsinstrumenten. Diese müssen fortan für Transparenz und Planungssicherheit sorgen und Haushalte vor Fehlentscheidungen bei Investitionen schützen. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Förderungen allein führen nicht zum Ziel“, so Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des EEÖ.

Internationale Erfolgsbeispiele zeigen: Wärmewende braucht breiten Instrumentenmix 

Ähnlich formulierte dies auch Keynote-Speaker Fabian Muralter vom Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut „Prognos“. Er thematisierte erfolgreiche Ansätze zur Wärmewende aus Ländern wie Schweden, Finnland oder Frankreich und zog den Schluss: „Internationale Erfahrungen zeigen, dass Förderungen eine wichtige Voraussetzung für die Wärmewende sind, langfristige Transformationen jedoch meist auf einem breiteren Instrumentenmix beruhen.“ 

Bislang setzt die Regierung in Österreich ausschließlich auf Förderungen, um den Umstieg von 1,3 Millionen fossilen auf klimafreundliche Heizungen anzureizen. Dieser Ansatz habe laut EEÖ in der Vergangenheit durch das ständige Stop-and-Go auch immer wieder zu Zeiten der Unsicherheit für Haushalte und die Heizungsbranche geführt. Aktuelle Zahlen belegen sogar, dass jährlich noch immer 30.000 Gasheizungen neu installiert werden, deren technische Lebensdauer bis weit über 2040 reicht. Selbst bei Ölheizungen gab es trotz akuter Preiskrise einen Anstieg der Installationen. Umso dringlicher sei der Einsatz zusätzlicher Instrumente, die Fehlentscheidungen vorbeugen und Klarheit für Verbraucher:innen schaffen. 

Diskutiert wurden unter anderem langfristig ausgerichtete Förderungen, ein klarer Ausstiegspfad, Mindeststandards, Informations- und Beratungsangebote sowie Maßnahmen zur sozialen Abfederung.

Wärmewende im Wohnbereich finanziell bewältigbar

Wohnbauforscherin Eva Bauer widmete sich der Frage, wie die Kosten und Finanzierung der Wärmewende im Wohnbereich einzuordnen sind. Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen bei Heizsystemen seien grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Auch wenn mit der Wärmewende dabei ein neues Kapitel aufgeschlagen worden sei, falle ein wesentlicher Teil der Kosten ohnehin an, also unabhängig von der Umstellung auf klimafreundliches Heizen. Die bereits vorhandenen Fördermöglichkeiten auf Landes- und Bundesebene könnten hier mit Anpassungen zum Einsatz kommen und finanzielle Hürden überwinden helfen. 

„Die Wärmewende im Wohnbereich ist in finanzieller Hinsicht bewältigbar. Bewährte Finanzierungs- und Förderungsinstrumente stehen zur Verfügung, Adaptierungen sind allenfalls erforderlich. Zentral ist die nachhaltige mittel- bzw. langfristige Ausrichtung der Instrumente“, erklärt Bauer. Damit betonte auch sie die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen. 

Rahmenbedingungen als kohärentes Gesamtpaket

Als kohärentes Gesamtpaket sollten diese Rahmenbedingungen geschnürt werden und sich an den vorhandenen Zielsetzungen orientieren, fasste Michael Aumer vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus das ideale Vorgehen zusammen. Auch aus Perspektive der Verwaltung brauche es eine zeitliche Perspektive für die Wärmewende und Klarheit darüber, bis wann welche Wirkung durch welche Maßnahme erzielt werden solle. Auch der Markt erhalte damit ein deutliches Signal.

In der Zusammenschau wurde deutlich, dass Haushalte, Wohnungswirtschaft und die Heizungsbranche langfristig planbare Bedingungen brauchen, damit Investitionen in klimafreundliche Wärme tatsächlich umgesetzt werden können. Für den EEÖ steht fest: Die Wärmewende braucht neben finanzieller Unterstützung einen verlässlichen politischen Rahmen. 

„Setzt die Regierung weiterhin allein auf Förderungen, um fossile Energieträger aus der Raumwärme zu verdrängen, werden zu wenige Heizungen pro Jahr getauscht. Die Klimaziele geraten außer Reichweite und viele Verbraucher:innen verbleiben in der Kostenfalle fossiler Energieträger. Damit die Wärmewende Erfolg hat, braucht es entschlossene politische Steuerung durch einen für Österreich passenden Instrumentenmix“, so Martina Prechtl-Grundnig abschließend.