Fossile Kessel aber im Plus

26.02.2026
v.l.: Dir. Mag. Robert Schneider (Geschäftsführer Messe Wels GmbH), Mag. Christian Murhammer, MAS (Geschäftsführung Fertighausverband), Ing. Franz Wastlbauer (Vorstandsmitglied ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme), Dr. Elisabeth Berger (Geschäftsführung VÖK), Ing. Anton Berger (Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker), Alexander Sollböck (Obmann Verband der Installations-Zulieferindustrie (VIZ), Mag. (FH) Helmut Weinwurm (Vorsitzender der VÖK, CEO Robert Bosch AG).

(PA_VÖK) Die politischen Rahmenbedingungen bestimmten die Marktentwicklung des Jahres 2025 maßgeblich. Der Vorrang der Fernwärme führt dazu, dass in Österreich bereits rund ein Drittel der Wohneinheiten, etwa 1,65 Millionen, über Fernwärme versorgt wird und somit keine dezentralen Heizungsanlagen benötigt. Das lange Warten auf die neue Bundesförderung schlug sich ebenfalls in den Zahlen nieder: Insgesamt wurden 92.500 Heizungsanlagen verkauft, was einem Minus von 11 % gegenüber 2024 entspricht, informierten Vertreter der Vereinigung Österreichischer Kessel- und Heizungsindustrie (VÖK) anlässlich einer Pressekonferenz im Rahmen der Energiesparmesse Wels. 

Am meisten nachgefragt wurden Wärmepumpen mit einem Volumen von 36.100 Stück, was einem Marktrückgang von 21% entspricht. Dabei erfreuen sich Luft-Wasser-Wärmepumpen ungebrochener Beliebtheit und machten 83 % der verkauften Anlagen in diesem Segment aus. Obwohl das Angebot groß ist und der Wettbewerb funktioniert, trifft die schwache Baukonjunktur diesen Bereich besonders. Die VÖK appelliert an die Politik, auch realistische Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Eigenheimen zu schaffen, da die Aufforderung die Kreditimmobilienfinanzierungsmaßnahmen (KIM) freiwillig weiter einzuhalten private Bauvorhaben erheblich behinderte.

Eine ähnliche Situation zeigte sich bei Holzheizungen für heimische Pellets, Hackgut und Stückholz. Diese Systeme sind eine klassische Alternative für Bestandsgebäude und damit stark von Förderanreizen abhängig. Mit 23.500 verkauften Anlagen verzeichneten sie ein Minus von 19 %. Hier werden überwiegend vollautomatische Pelletheizungen verkauft, die rund 80 % des Marktes ausmachen. Der Exportmarkt ist für die Hersteller von großer Bedeutung. Die VÖK bedauert, dass die aktuellen EU-Diskussionen zur Nachhaltigkeit von Holzenergie Unsicherheit im Markt schaffen. Positiv ist, dass die europäische Umweltagentur festgestellt hat, dass die Feinstaubwerte in fast allen europäischen Städten deutlich unterhalb der Grenzwerte liegen. In Österreich sind diese dank Förderungen, um alte Allesbrenner durch vollautomatische Anlagen zu ersetzen, massiv zurückgegangen. Leider ist die erneute Auflegung dieser spezifischen Förderung für Holzheizungen noch immer nicht erfolgt.

Der Rückstau bei Gasheizungen begann sich am Markt bemerkbar zu machen. Nach Prüfung der technischen und wirtschaftlichen Optionen entschieden sich 31.900 Kunden wieder für eine Gastherme, ein Plus von 14 %. Im Neubau wurden in Österreich Gasgeräte ebenso wie Ölkessel per Gesetz verboten, wenn sie mit fossiler Energie betrieben werden können. Die VÖK fordert, dass ein Erneuerbaren-Gase-Gesetz endlich auch in Österreich dafür sorgt, dass hier Gasnetze wie Stromnetze bald überwiegend erneuerbare Energie transportieren. Unsere Geräte sollten nicht nur „Green Gas ready“, sondern „Green Gas operated“ sein. Die VÖK weist darauf hin, dass die Speicherfähigkeit von Gas für die Resilienz der Energieversorgung von großer Bedeutung ist, insbesondere angesichts der riesigen Gasspeicher in Österreich, die Vorräte für ganz Europa lagern.

Selbst der Ölkessel konnte sich über Zuwächse freuen, wenn auch auf geringem Niveau. Mit 1.100 Stück wurde ein Plus von 19 % verzeichnet. Auch für diese Technologie bietet die Energiewirtschaft erneuerbare Brennstoffe mit HVO an. 

Für Solarthermie und Photovoltaik wird der Rückgang ebenfalls zwischen 20 und 30 % liegen. Auch hier machen sich die fehlenden Förderungen und die Restriktionen bei Einspeisungen bemerkbar.

Förderpolitik hemmt Sanierungsoffensive

Die hohe Nachfrage im Jahr 2024 führte dazu, dass Fachleute bis ins dritte Quartal 2025 intensiv mit der Installation der im Rahmen der Sanierungsoffensive registrierten Anlagen beschäftigt waren. Die dafür vorgesehenen Fördermittel, die eigentlich bis 2026 reichen sollten, waren jedoch bereits Ende 2024 ausgeschöpft. Die Neuausrichtung und Evaluierung der Förderprogramme verzögerte sich aufgrund langwieriger politischer Prozesse und der Regierungsbildung. Eine vom Beratungsinstitut Prognos im Juli 2025 veröffentlichte Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus zur Analyse der Effizienz von Klima- und Energieförderungen bestätigte zwar die Wirksamkeit der Sanierungsmaßnahmen, befand jedoch die Förderhöhe als zu hoch. Daraufhin wurden die Förderbedingungen überarbeitet und Anfang November 2025 neu verlautbart. Trotz dieser Anpassungen leerte sich der Fördertopf rasch und der Sanierungsbonus wurde schon wieder eingestellt. Die Mittel wurden vorrangig für thermische Sanierungen im mehrgeschossigen  Wohnbau zur Umsetzung in den nächsten Jahre reserviert. Diese setzen, trotz thermischer Sanierung und folglich stark reduziertem Heizenergiebedarf, vermehrt auf Fernwärme. Dies entspricht dem Wunsch der Regierung, welche die zu erwartenden Kostensteigerungen durch reduzierte Abnahme und die regionale Monopolstellung ignoriert und noch immer primär Fernwärme vorschreibt, auch wenn diese oft mit fossiler Energie produziert wird.