
(PA_ÖBMV) –
- Hoher Erneuerbaren-Anteil führt zu Rekordwert bei Energieautarkie
- Hitze und Dürre setzen Kärntens Wäldern und auch der Wasserkraft zu
- Langsamer Ausbau von Photovoltaik und Windkraft
Mit einem Anteil von 36 % am Bruttoinlandsverbrauch Energie ist Bioenergie in Kärnten der wichtigste Energieträger, noch vor Erdöl (32 %) und der Wasserkraft (25 %), informiert der Österreichische Biomasse-Verband anlässlich seines Energiewende-Checks der Bundesländer. Infolge des Ressourcenreichtums an Wald und Wassers gewinnt Kärnten fast zwei Drittel seiner Energie aus erneuerbaren Quellen, als einziges Bundesland besitzt das Burgenland mit 70 % einen höheren Erneuerbaren-Anteil.
88 % der Bioenergie stammen aus Kärntens Wäldern
Im Holzland Kärnten, das über einen Waldanteil von mehr als 61 % und zahlreiche große Sägewerke, z. B. in Sachsenburg, Wolfsberg, Bad St. Leonhard oder Hermagor, verfügt, basieren 88 % der genutzten Biomasse auf Holz. Hackgut, Rinde und Sägenebenprodukte stellen mit einem Beitrag von 42 % das größte Biomassesortiment. Mit 20 % folgt an zweiter Stelle Scheitholz, das überwiegend zur Beheizung in Kärntner Wohnräumen Verwendung findet. Ablauge der Papier- und Zellstoffindustrie, die am Standort Frantschach zur Erzeugung von Prozess- und Fernwärme sowie Strom eingesetzt wird, ist der drittwichtigste biogene Brennstoff (18 %), gefolgt von Pellets (7,6 %) und Biotreibstoffen (5,9 %).
Holzbrennstoffe decken 57 % des Kärntner Raumwärmebedarfs
Bei der Nutzung von Holzbrennstoffen für die Raumwärme ist Kärnten mit deutlichem Abstand die Nummer eins in Österreich: Der Anteil holzartiger Brennstoffe am gesamten Raumwärmebedarf der Haushalte liegt inklusive Fernwärme bei 57 %. Der Einsatz von Heizöl ging zwischen 2003/04 und 2013/14 um 36 % zurück, ist seitdem aber etwa auf dem gleichen Level verblieben, womit Heizöl immer noch 24 % des Raumwärmeverbrauchs der Kärntner Haushalte deckt. Die Anzahl der Ölkessel hat sich in den letzten 20 Jahren etwa halbiert, auf rund 45.000 Stück. Um die Ölheizer beim Ausstieg aus dem derzeit sehr teuren Heizöl (ca. 1,8 €/l) zu unterstützen, fördert das Land Kärnten den Kesseltausch von fossilen auf erneuerbare Anlagen mit bis zu 3.000 €. Bei einem in den letzten Jahren etwa gleichbleibenden Bestand von circa 7.000 Heizkesseln deckt Erdgas nur 2 % des Kärntner Raumwärmebedarfs. Der Erdgaseinsatz hat sich in den letzten fünf Jahren halbiert.
70 % weniger Treibhausgasemissionen aus Gebäuden seit 1990
Durch den rückläufigen Einsatz von Heizöl und Erdgas als Folge der Umstellung auf klimafreundliche Heizungssysteme haben die Treibhausgasemissionen im Kärntner Gebäudesektor seit 1990 um nahezu 70 % abgenommen. Etwa 64.000 Haushalte in Kärnten setzen auf eine Holzheizung als primäres Heizsystem. Zwischen 2021 und 2025 wurden in Kärnten etwa 13.000 neue Holzzentralheizungen installiert, ziemlich genau doppelt so viele wie in den fünf Jahren zuvor. An die Fernwärme angeschlossen sind mittlerweile fast 90.000 Kärntner Haushalte, die 16,5 % der Kärntner Raumwärme beziehen.
Deutlicher Ausbau biogener Fernwärme vor allem durch Klagenfurter Heizkraftwerke
Der biogene Fernwärmeanteil in Kärnten wurde zwischen 2016 und 2019 vor allem aufgrund der Inbetriebnahme der Holzheizkraftwerke Klagenfurt Ost und Nord von 67 % auf 92 % gesteigert. Die Erzeugung biogener Fernwärme ist von 2016 bis 2021 um 74 % gestiegen, in den wärmeren Folgejahren ging der gesamte Fernwärmeverbrauch deutlich zurück. 2024 lieferten in Kärnten rund 190 Biomasseheizwerke (ohne Kleinanlagen) und etwa 30 Biomasse-KWK-Anlagen zusammen 1.700 GWh Fernwärme, die zu 52 % von Haushalten, zu 28 % im Bereich Dienstleistungen und zu 19 % von der Industrie bezogen wurde.
Bioenergie wichtiger Stromversorger, extreme Schwankungen der Wasserkraft
Biomasse steuerte 2024 auch fast 10 % zur Kärntner Stromproduktion bei. Der größte Teil (6,1 %) stammt von den Kärntner Holzkraftwerken, die mit einer Leistung von rund 76 MW etwa 450 GWh elektrische Energie bereitstellten. Aus Laugen der Papier- und Zellstoffindustrie kamen mit rund 223 GWh etwa 3 % der Stromproduktion. Biogasanlagen hatten einen Anteil von 0,3 % am Kärntner Strommix. Die tragende Säule der Kärntner Stromversorgung ist die Wasserkraft, die 2024 für 82 % der Stromerzeugung des Bundeslandes verantwortlich war. Seit 2013 verhilft sie Kärnten jedes Jahr zu einem bilanziellen Anteil von 100 % Ökostrom. Abhängig vom Wasserdargebot unterliegt die Wasserkraft extremen Schwankungen und wird bei Berechnung laut EU-Richtlinie auf 15 Jahre gemittelt. 2025, im vierttrockensten Jahr in Kärnten seit 1961, war ein Rückgang der Stromerzeugung aus Wasserkraft von über 27 % zu verzeichnen. Das Jahr 2026 verspricht keine Besserung, denn bis einschließlich Juli fiel die Wasserkraft österreichweit noch einmal um etwa 13 % zurück. Auch in den Jahren 2015, 2017, 2019 und 2022 war Kärnten aufgrund niedrigerer Wasserführung der Gewässer Nettoimporteur von Strom. In einer Analyse des Wasserkraftpotenzials von 2025 wurden ein Repoweringpotenzial von 166 MW und ein ökologisch vertretbares Ausbaupotenzial von 197 MW erhoben, was zusammen ein Jahresarbeitsvermögen von knapp 1,7 TWh ergibt.
Ausbau von Photovoltaik und Windkraft mit angezogener Handbremse
Die Photovoltaik hat erst in den letzten Jahren in Kärnten langsam Fahrt aufgenommen und trug 2024 mit 514 GWh rund 7,0 % zur Stromerzeugung bei. 3,9 Mio. m2Modulfläche mit 519 MWp, die bis 2024 in Kärnten installiert wurden, entsprechen nur rund der Hälfte der Photovoltaik-Fläche des wesentlich kleineren Burgenlandes. Die Kärntner Photovoltaikanlagen-Verordnung 2024 soll den Ausbau von PV-Anlagen beschleunigen. Für Anlagen im Grünland ist allerdings eine eigene Flächenwidmung verpflichtend und die Fläche auf 4 ha begrenzt. Mit einer Leistung von 28 MW erzeugten zehn Windkraftanlagen im Jahr 2024 53 GWh (0,7 % der Stromproduktion). Das im Energiemasterplan Kärnten festgesetzte Ziel von 50 Windrädern, die bis 2025 250 GWh Strom bereitstellen sollten, wurde deutlich verfehlt. Die Kärntner Volksbefragung zu Windkraftanlagen war laut Verfassungsgerichtshof gesetzwidrig. Gemäß einer Anfang 2026 im Kärntner Landtag beschlossenen Windkraftzonierung können in Kärnten maximal 50 Windkraftanlagen in vier Zonen im Lavanttal errichtet werden, die 0,077 % der Landesfläche ausmachen.
Verkehr verursacht meiste Emissionen – Nachholbedarf bei erneuerbarer Mobilität
Die Treibhausgasemissionen Kärntens lagen 2024 mit 3,6 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent um 23 % unter dem Niveau von 1990. Der Verkehr verursachte 39 % der Emissionen, die Industrie 25 %, die Landwirtschaft 19 % und der Gebäudesektor 8,2 %. Im Verkehr nahmen die Treibhausgasemissionen von 1990 bis 2024 um fast 40 % zu. Viele Pendler in Kärnten sind auf ihr Auto angewiesen, dazu kommen Güter- und Urlaubsverkehr sowie der Tanktourismus. Kärnten hat mit 97 Kraftfahrzeugen pro 100 Einwohner eine der höchsten Kfz-Dichten unter den Bundesländern. Zudem verfügt das Bundesland hinter dem Burgenland österreichweit mit 31 % über den zweithöchsten Anteil an Diesel-Pkw und mit 4,0 % über den niedrigsten Anteil an Elektroautos am Pkw-Bestand. Der Anteil erneuerbarer Energieträger (Biokraftstoffe und Ökostrom) im Verkehr erreichte mit 18 % im Jahr 2024 zwar einen neuen Höchstwert, ist aber von der im Energiemasterplan Kärnten geforderten zu 100 % CO2-neutralen Mobilität bis zum Jahr 2035 weit entfernt. Die Emissionen der Industrie sind vorwiegend von den Entwicklungen in der Zementindustrie bestimmt und haben gegenüber 1990 um knapp 5 % zugenommen.
Kärnten leidet unter massiver Hitze und Dürre
Die Jahre 2024 und 2025 waren bislang die wärmsten in der Messgeschichte Kärntens. Der extrem heiße und trockene Sommer 2026 brach noch einmal alle Rekorde: In Ferlach und St. Andrä wurden an 55 Tagen über 30°C und damit bundesweit die meisten Hitzetage gemessen. Die Pasterze, der größte Gletscher Österreichs erlebt durch die Rekordhitze ein besonders verlustreiches Jahr und dürfte bis 2027 durch Abreißen der Gletscherzunge zerfallen. In der Landwirtschaft ließen die hohen Temperaturen heuer keine ordentliche Schnitt- und Weidenutzung im Futterbau zu. Durch die anhaltende Trockenheit wurden Futtervorräte und Wasser in zahlreichen Lagen knapp. In Kombination mit den immer heißeren und trockeneren Sommern führten die Folgen des Sturmtiefs Vaia vom Herbst 2018 mit über 11 Millionen m3 Schadholz durch Borkenkäfer, Sturm und Schnee zwischen 2018 und 2024 zu einem Schadanteil am Holzeinschlag von rund 60 %. Besonders betroffen war Oberkärnten. Insbesondere in tieferen und mittleren Lagen des Bundeslandes wird inzwischen auf Mischwaldbewirtschaftung gesetzt.
In Fünfjahresschritten zur Klimaneutralität
Derzeit wird in Kärnten eine neue Energiestrategie erstellt, die den Energiemasterplan Kärnten von 2014 ersetzen soll. Kärnten bekennt sich auch im Regierungsprogramm 2023-2028 zur Klimaneutralität 2040. Auf dem Weg dahin sollen die Treibhausgase außerhalb des Emissionshandels laut Klimastudie Kärnten bis 2025 gegenüber 2005 um 35 %, bis 2030 um 60 % und bis 2035 um 80 % gesenkt werden. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am Endenergieverbrauch soll in Fünfjahresschritten auf 65 % (2025), 80 % (2030) und 90 % (2035) gesteigert werden. Für das 2025-Ziel befindet sich Kärnten auf Kurs: 2024 stehen bereits ein Anteil von 65 % Erneuerbaren und eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 35 % zu Buche. Raumwärme soll laut Klimastudie Kärnten bis 2035 aus erneuerbaren Energieträgern bzw. erneuerbarer Fernwärme erzeugt werden, hier erreichte das Bundesland 2024 einen Anteil von etwa 81 %. Im Problemsektor Verkehr sollen die Emissionen bis 2030 gegenüber 2005 um 67 % abnehmen; realisiert wurden bislang 21 %. Neben Investitionen in die Infrastruktur und in bessere Fahrplanangebote zählen attraktive Tarife und ein einfacher Zugang laut Studien zu den entscheidenden Hebeln für eine Verlagerung der Mobilität zum öffentlichen Verkehr. Das günstige Klimaticket Kärnten und die gestiegenen Kraftstoffkosten haben bereits zahlreiche Pendler zum Umstieg veranlasst. Um die Chancen der 2025 in Betrieb gegangenen Koralmbahn für den Kärntner Raum besser zu nutzen, erscheint ein weiterer Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs auf Gemeinde- und Bezirksebene sinnvoll.
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