IEA-Bericht: Ausbau zu langsam

EEÖ empfiehlt dringend Korrekturen Weiter

Grundsätzlich gutes Zeugnis für Österreich

13.05.2026
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner und IEA-Chef Fatih Birol

(PA_EEÖ_BMWET) – Der aktuelle „Länderreport Österreich“ der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigt klar: Österreich hat ambitionierte Klima- und Energieziele und eine starke erneuerbare Basis – doch die Lücke zwischen Anspruch und Realität beim Erneuerbaren-Ausbau wird größer. Der Report unterstreicht damit auch die Positionen des Dachverbands Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ): Langwierige Genehmigungsverfahren und Verzögerungen bei der Planung und Gesetzgebung bremsen den notwendigen Erneuerbaren-Ausbau, unklare Förderbedingungen und ein fehlender Rechtsrahmen sorgen für hohe Kosten und stiften Unsicherheit bei Verbrauchern und Unternehmen.

„Die IEA bestätigt, dass Österreich bei erneuerbarem Strom eine solide Basis hat – mit starker Wasserkraft, Pumpspeichern und einem erfolgreichen Solarboom. Gleichzeitig macht sie klar: Damit die Ziele für 2030 und 2040 erreichbar bleiben, muss die Energietransformation deutlich schneller werden“, fasst Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich,den Bericht zusammen.

Die IEA hält fest: Obwohl erneuerbare Energien 2024 rund 90 Prozent des österreichischen Strombedarfs gedeckt haben, sei Österreich derzeit nicht auf Zielkurs. Photovoltaik ist zwar stark gewachsen und erreichte 2024 11,3 Prozent der Stromversorgung. Zugleich betont die IEA, dass der Windkraftausbau beschleunigt werden muss, um etwa saisonale Nachfrage im Winter abzudecken – doch Genehmigungshürden und Governance-Probleme hemmen den Ausbau. „Gerade das Beispiel Wind zeigt exemplarisch, wo Österreich ansetzen muss: ausreichend Flächen, schnellere Genehmigungen und verlässliche Verfahren. Der Ausbau darf nicht länger an zersplitterten Zuständigkeiten und Verzögerungen auf Ebene der Bundesländer hängen bleiben“, so Prechtl-Grundnig. Die IEA verweist außerdem auf lange Verzögerungen bei zentralen gesetzlichen Reformen und verweist auf das weiterhin ausstehende Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz.

Auch im Wärmebereich sieht die IEA erheblichen Handlungsbedarf. Zwar sei der Anteil von Öl am Energieverbrauch von Gebäuden zwischen 2005 und 2024 deutlich gesunken, dennoch sind weiterhin rund 850.000 Gasheizungen und 450.000 Ölheizungen in Betrieb. Die IEA empfiehlt unter anderem integrierte Wärme- und Kältepläne auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene, sowie gezielte Anreize für Vermieterinnen, Vermieter, Mieterinnen und Mieter. Bei erneuerbarer Wärme braucht es deutlich mehr Kontinuität. Das zuletzt erlebte Stop-and-go bei der Förderung des Heizkesseltauschs verunsichert Betriebe ebenso wie Konsument:innen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Budget der aktuellen Förderschiene im Sommer ausgeschöpft sein dürfte.

„Die Branche braucht daher dringend Planungssicherheit und eine klare Perspektive. Investitionen in den Heizkesseltausch rechnen sich auch für den Staat: Sie lösen Wertschöpfung aus, sichern Beschäftigung und fließen über Steuereinnahmen rasch und mehrfach zurück. Biomasse, Pellets, Solarthermie, Geothermie und Wärmepumpen können Österreichs Haushalte unabhängiger von fossilen Preisschocks machen. Dafür braucht es einen verlässlichen Rahmen und einen klaren Pfad.“, so Prechtl-Grundnig. Die Internationale Energieagentur zeigt deutlich: Der Austausch fossiler Heizsysteme kommt derzeit nicht schnell genug voran.

Der Dachverband sieht die IEA-Länderanalyse als klaren Auftrag: Österreich kann seine Klima- und Energieziele erreichen, wenn Ausbau, Netze, Speicher, Flexibilität und erneuerbare Wärme konsequent beschleunigt werden. „Österreich hat die Voraussetzungen, nicht nur bei den Vorhaben, sondern auch in der Umsetzung Vorreiter der Energiewende zu werden. Jetzt braucht es Umsetzung statt Verzögerung – in der Gesetzgebung, in den Verfahren und in allen Bundesländern“, so Prechtl-Grundnig abschließend.

Stellungnahme des BMWET

Die Internationale Energieagentur IEA hat heute in Wien ihre aktuelle Länderprüfung zur österreichischen Energiepolitik vorgestellt. Der Bericht “Austria 2026 Energy Policy Review” stellt Österreich ein gutes Zeugnis aus und bestätigt eine starke Ausgangslage beim Ausbau erneuerbarer Energien, bei der Versorgungssicherheit, bei Speichertechnologien und bei der Innovationskraft im Energiesystem. Gleichzeitig gibt die IEA-Handlungsempfehlungen, wo noch Potenzial besteht: bei Netzen, Speichern, Flexibilität, Energieeffizienz und der industriellen Transformation. “Der IEA-Bericht zeigt klar: Österreich ist bei erneuerbarer Energie stark unterwegs. Wir stehen nicht am Anfang, sondern haben bereits ordentlich Strecke gemacht. Das ist ein gutes Zeugnis für unser Land und zugleich ein klarer Arbeitsauftrag. Jetzt geht es um konsequente Umsetzung: für mehr Versorgungssicherheit, leistbare Energie und einen starken Wirtschafts- und Industriestandort”, so Staatssekretärin Elisabeth Zehetner anlässlich der Präsentation mit IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol.

ElWG als Modernisierungsschub für den Strommarkt

Auch beim Ausbau der Photovoltaik sieht die IEA deutliche Fortschritte. Der Bericht spricht von einem österreichischen “Solarboom”. Photovoltaik erreichte 2024 bereits 11,3 Prozent der Stromversorgung. Entscheidend sei nun, diesen Ausbau besser in das Gesamtsystem zu integrieren: durch leistungsfähige Netze, Speicher, Digitalisierung und ein flexibleres Strommarktdesign. “Um erneuerbaren Strom 24/7 verfügbar zu machen brauchen wir intelligente Netze, mehr Speicher, bessere Daten und mehr Flexibilität im System. Genau hier setzt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz an, aber auch die EAG-Novelle, die in Vorbereitung ist”, so Zehetner.

Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz wird im IEA-Bericht als wichtiger Reformschritt hervorgehoben. Es modernisiert den Strommarkt, stärkt Speicher, ermöglicht flexible Netzanschlussvereinbarungen, variable Netztarife und dynamische Stromverträge. Gleichzeitig werden Smart-Meter-Daten besser nutzbar gemacht und Stromrechnungen verständlicher. Künftig verweisen Rechnungen auf den Tarifkalkulator der E-Control, damit Kundinnen und Kunden leichter vergleichen und wechseln können. “Das ElWG ist unser Modernisierungsschub für den Strommarkt. Es bringt mehr Flexibilität ins System, stärkt die Rolle der Verbraucherinnen und Verbraucher und hilft dabei, die Kostenvorteile erneuerbarer Energie besser nutzbar zu machen”, sagt Zehetner.

Der Bericht