Forstbasierte Bioökonomie gibt …

Bioenergie als strategische Säule Weiter Kein importiertes Risiko!

… Antworten zu drängenden Herausforderungen

13.05.2026

(PA_IUFRO) –

  • Forstbasierte Bioökonomie kann kohlenstoff- und ressourcenintensive Materialien durch langlebige Holzprodukte und fortschrittliche biobasierte Stoffe ersetzen.
  • Mit den richtigen Rahmenbedingungen und Investitionen können durch forstbasierte Bioökonomie Klimaziele, Naturschutz, die Lebensgrundlagen im ländlichen Raum sowie eine CO₂-arme Industrie gefördert werden.
  • Politik, Architektur und öffentliche Wahrnehmung erkennen Holz zunehmend als ökologisch vorteilhafte Alternative im Bauwesen.
  • Eine neue Publikation des Science-Policy-Programms (SciPol) des Internationalen Waldforschungsverbandes IUFRO mit Sitz in Wien identifiziert nun politische Handlungsoptionen, um das Potenzial der Wälder nachhaltig zu nutzen und gleichzeitig ihre ökologische Integrität weltweit zu erhalten.

Am 12. Mai 2026 stellte das SciPol-Programm auf der 21. Tagung des Waldforums der Vereinten Nationen (UNFF21) in New York, USA, einen ausführlichen Policy Brief mit dem Titel „Advancing Forest-Based Bioeconomy Approaches“ vor. 34 Autor*innen aus 13 Ländern haben zu dieser Publikation beigetragen. Sie fasst zentrale wissenschaftliche Erkenntnisse sowie politische und praktische Perspektiven zur Förderung einer nachhaltigen forstbasierten Bioökonomie in unterschiedlichen Kontexten zusammen. 

Steigender Ressourcenverbrauch erfordert Umdenken 

Das weltweite Bevölkerungswachstum, die zunehmende Verstädterung und eine Abkehr von fossilen Rohstoffen werden die weltweite Nachfrage nach Holz und biobasierten Materialien weiter steigen lassen. Der globale Materialverbrauch hat sich in 50 Jahren mehr als verdreifacht und könnte bis 2060 um weitere 60 Prozent zulegen. Derzeit macht Biomasse rund ein Viertel des Materialverbrauchs aus. Um den Bedarf nachhaltig zu decken, ist eine Kombination verschiedener Strategien erforderlich: Dazu zählen eine verbesserte Produktivität sowohl in natürlichen als auch in gepflanzten Wäldern, eine effizientere Verarbeitung und Nutzung von Holzressourcen sowie strikte politische Rahmenbedingungen, die Nachhaltigkeit gewährleisten. 

Klimawandel erhöht Druck und Bewusstsein

Mit dem Klimawandel steigen globale Risiken. Gleichzeitig wachsen die Nachfrage nach bioökonomischen Lösungen und das Bewusstsein für die Bedeutung von Wäldern und langlebigen Holzprodukten für den Klimaschutz. 

Forstbasierte Bioökonomie als Chance

Eine forstbasierte Bioökonomie bietet einen vielversprechenden Weg, um aktuelle Herausforderungen zu bewältigen. Die forstbasierte Bioökonomie verbindet sämtliche Aktivitäten und Erzeugnisse entlang der Wertschöpfungskette mit einer zirkulären, regenerativen Waldbewirtschaftung. So können Wälder nachwachsende Rohstoffe, Bioenergie und Leistungen als Ökosystem bereitstellen und gleichzeitig Lebensgrundlagen sichern, die ländliche Wirtschaft stärken sowie zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an dessen Folgen beitragen. 

Einstellungswandel in Politik und Gesellschaft: Zukunftsweisendes Bauen mit Holz 

Der Forstsektor wird heute politisch und gesellschaftlich differenzierter betrachtet und zunehmend unterstützt. So wird Holz immer umfassender im Bauwesen eingesetzt und gefördert, wie sich in der Praxis in verschiedenen Regionen der Welt zeigt: Von Massivholzgebäuden in Städten wie Singapur und Amsterdam bis hin zu nationalen Förderprogrammen für den Holzbau in Europa nimmt die Nutzung von Holz – gestützt auf strenge Nachhaltigkeitskriterien – als kohlenstoffarme Alternative im Bauwesen zu.

So fördert beispielsweise die mit 107 Millionen Euro aus dem österreichischen Waldfonds ausgestattete österreichische Holzinitiative das Bauen mit Holz, Produktinnovationen sowie Sensibilisierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Damit wird Holz als eine Säule der österreichischen Bioökonomie und der ländlichen Entwicklung positioniert. 

Auch innovative Architekt*innen setzen auf Holzbauweise, da sie sowohl die ökologischen als auch ästhetischen Vorteile von Holz zunehmend erkennen. Zudem wird Massivholz immer häufiger im gewerblichen Bauwesen und bei mehrstöckigen Gebäuden eingesetzt. Die öffentliche Beschaffung könnte die Verbreitung dieser Bauweise beschleunigen, beispielsweise durch Infrastrukturprojekte und den sozialen Wohnbau. 

Gleichzeitig bedarf es geeigneter Maßnahmen, um unbeabsichtigte Folgen einer zunehmenden Holzernte zu verhindern. Es braucht glaubwürdige und transparente Folgenabschätzungen, strenge Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt sowie verlässliche Systeme zur Rückgewinnung/Verwertung am Ende des Materiallebenszyklus. Die Ausweitung des Holzbaus auf Regionen ohne ausgeprägte Holzbautradition könnte unter anderem mit industrialisiertem Wohnbau wie dem schwedischen Modell gelingen, wo 45 Prozent der neuen Häuser im Werk vorgefertigt werden. 

Dr. Nelson Grima, Koordinator von IUFRO’s SciPol Programm und Mitherausgeber der Publikation erklärt: „Der neue Policy Brief soll Entscheidungsträger*innen, Fachleute und Interessengruppen informieren, die im Forstsektor und im Bereich der Transformation zur Bioökonomie tätig sind. Er fasst wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen zusammen, um politische Optionen zu identifizieren, die zum einen umsetzbar sind und zum anderen eine nachhaltige, inklusive, gerechte und kreislauforientierte forstbasierte Bioökonomie vorantreiben.“

Download: Expanded Policy Brief

Herausgeber*innen: Ivana Živojinović, Nelson Grima, Maja Radosavljević