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Gaswirtschaft setzt auf grünes Gas

05.06.2018 16:49


v.li.: ÖVGW-Geschäftsführer Michael Mock und ÖVGW-Präsident Manfred Pachernegg

(PL) Die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) möchte die Raumwärmeversorgung mit Gas bis 2050 komplett von Erdgas auf erneuerbares Gas umstellen. Dies kündigte ÖVGW-Präsident Manfred Pachernegg, der auch Geschäftsführer der Energienetze Steiermark ist, am 5. Juni anlässlich eines Pressegespräches an.

„Grünes Gas ist zentraler Bestandteil der österreichischen Klima- und Energiestrategie“, erklärte Pachernegg. „Mit erneuerbaren Gasen können die Infrastruktur des 43.000 km langen Erdgasnetzes weiterhin genützt und im Zuge der Energiewende Milliarden Euro eingespart werden. Das Fit-Machen der Gasinfrastruktur hat bereits begonnen.“ 

Etwa eine Million Haushalte heizt derzeit mit Erdgas, ihre Geräte mit Leitungsanschluss sollen sie weiter nutzen können. Für die Haushalte soll das erneuerbare Gas auch leistbar bleiben. „Die Energiepreise sollen in Zukunft nicht über jenen von Pellets oder Wärmepumpen liegen“, verspricht Pachernegg.

Ausbau mit drei Vierteln Biogas und einem Viertel synthetischem Gas. Die erneuerbare Gasmenge zur Wärmeversorgung soll bis 2050 von heute 24 Mio. m3 Methan auf etwa 2 Mrd. m3 gesteigert werden. Zu etwa drei Vierteln sollen die erneuerbaren Gasmengen aus Biogasanlagen kommen, der Rest aus synthetischem Gas. Das benötigte Biogas soll ausschließlich aus Abfällen der Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie gewonnen werden. Potenziale wurden 2017 in einer Studie der Johannes Kepler Universität Linz erhoben. „Das Grüne Gas ist CO2-neutral, da nur jenes CO2 in die Umwelt abgegeben wird, das zuvor in Pflanzen gespeichert war. Durch den Umstieg auf Grünes Gas können in Zukunft Methanemissionen drastisch reduziert werden“, informiert Pachernegg.

Hälfte bestehender Biogasanlagen könnte ins Erdgasnetz einspeisen. „Bisher speisen nur wenige der etwa 400 von der OeMAG anerkannten Biogasanlagen Biomethan ins Erdgasnetz ein, aber etwa die Hälfte der Anlagen wäre grundsätzlich dazu geeignet“, sagt Michael Mock, Geschäftsführer der ÖVGW. Um die benötigten Biogasanlagen zu erzeugen, seien etwa 500 bis 1000 neue größere Biogasanlagen erforderlich. Zunächst werden kleinere Anlagen neu dazukommen, erwartet man beim ÖVGW, später größere sogenannte „Multi-Feed-Anlagen“, die verschiedene Roh- und Reststoffe verwerten können. Die Kreislaufwirtschaft inklusive Nutzung des Düngers soll dabei verbessert werden. Zur Umsetzung des Ausbaus der Biogas-Anlagen steht der ÖVGW in Kontakt mit dem Österreichischen Biomasse-Verband, mit dem man kürzlich eine Kooperation abgeschlossen hat.

Gewaltiger saisonaler Stromspeicher. Mit dem Power-to-Gas-Verfahren wird aus Sonnen- und Windstrom Wasserstoff erzeugt und in einem zweiten Schritt synthetisches Gas gewonnen. Dabei wird der Wasserstoff mit dem CO2 angereichert, dass bei der Methanaufbereitung des Biogases anfällt. „Im Erdgasnetz lassen sich Strommengen von 93 TWh speichern, damit steht uns ein riesiger saisonaler Speicher zur Verfügung, mit dem wir den Sommerstrom in den Winter bringen können“, erklärt Pachernegg.

„Mehr erneuerbares Gas in den Netzen bedeutet mehr heimische Wertschöpfung für Gasversorger, Landwirte oder Erzeuger von Wind- und Sonnenstrom“, betont Pachernegg. „Dies entspricht der regionalen Energiestrategie. Mit dem neuen grünen Gas können wir Importe reduzieren und die zurückgehende Erdgasproduktion in Europa ausgleichen.“ 

Auch Holzgas als Option. Um zukünftig auch die Industrie mit erneuerbarem Gas versorgen zu können, bedarf es der Hebung weiterer Potenziale. „Vor allem eingespeistem Wasserstoff wird eine zentrale Rolle zukommen, sein Anteil im Gasnetz wird steigen“, berichtet Pachernegg. In Österreich beträgt der Wasserstoffanteil derzeit 2 bis 4 %. In den Netzen deutscher Versorger liegt er mancherorts bereits bei 10 %. 

Weitere große Potenziale von erneuerbarem Gas sieht Mock in der Nutzung von Holzgas, allerdings sei aufgrund dessen Zusammensetzung der Bedarf an Forschungsanstrengungen noch sehr groß. Das Mehr an den erneuerbaren Gasen im Netz bringt jedenfalls wirtschaftliche Vorteile. Zugleich muss aber auch die Sicherheit und Funktionalität der Leitungen und Endgeräte sichergestellt werden – darauf hat insbesondere der erhöhte Wasserstoffanteil ebenfalls Einfluss. 

Gaswirtschaft fordert Gleichbehandlung mit erneuerbaren Energien. „Zur Umsetzung der Ziele brauchen wir rasch die notwendigen Rahmenbedingungen im Energiegesetz Neu, im Steuerrecht, aber auch in der Landesgesetzgebung“, erzählt der Präsident. Denn mit dem vermehrten Einsatz von Grünem Gas kommen zahleiche neue Aufgaben auf die Gaswirtschaft zu: „Wir müssen etwa die Gasqualität neu definieren. Dazu müssen wir festlegen, wie hoch der Wasserstoffgehalt im Gasnetz sein kann oder wie sauber Biogas sein muss, damit wir es in die Netze einspeisen können.“ Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Gasthermen, Kraftwerke oder die Mobilität mit Gas.

Die Gaswirtschaft fordert daher Technologieoffenheit und Gleichbehandlung mit erneuerbaren Energieträgern im Förderregime des neuen Energiegesetzes, bei der Besteuerung (Erdgasabgabe), bei der Wohnbauförderung in den Bauordnungen und bei der Mobilität. „Wir sind eine kapitalintensive Branche und investieren für Dekaden“, begründet Pachernegg. „Dazu brauchen wir technische und politische Rahmenbedingungen.“ Im Energiegesetz erwartet man einen verpflichtenden Anteil von erneuerbarem Gas im Erdgasnetz.