< Fossile Energieversorgung auf wackeligen Beinen

Ein Euro für Holzstrom kommt doppelt zurück

12.10.2017 11:45


(AFU) Eine aktuelle Studie der Österreichischen Energieagentur analysiert die volkswirtschaftliche Bedeutung von heimischen Holzkraftwerken seit Inkrafttreten der Ökostromvergütung. Zusammenfassend wurden in Österreich volkswirtschaftliche Effekte in der Höhe von 6,5 Mrd. € erwirtschaftet. Vor dem Hintergrund auslaufender Tarif-Vergütungen zeigen Szenarien bis ins Jahr 2019 große Herausforderungen für die Branche: Die Erlöse würden in diesem Jahr um 206 Mio. € (–98 % zu 2015), die Wertschöpfung um 269 Mio. € (–98 %) sinken. 3 Mio. t CO2-Äquivalente müssten ersetzt werden und eine massive Gefährdung von rund 6.400 Arbeitsplätzen insbesondere im Gewerbe (58 %) würde folgen. Basierend auf der Energieagentur-Studie wurde von BIOENERGY 2020+ eine Analyse der positiven Effekte der Holzkraftwerke durchgeführt – mit dem Ergebnis: Ein Euro für Ökostrom aus Holzkraftwerken kommt dem Steuerzahler doppelt zurück. 

Arbeitsplätze im Gewerbe besonders betroffen. „Seit Inkrafttreten des Ökostromgesetzes haben Ökostromanlagen auf Basis fester Biomasse einen wichtigen volkswirtschaftlichen Beitrag geleistet“, erläutert Studien-Verfasser Lorenz Strimitzer von der Österreichischen Energieagentur. „Wenn die Holzkraftwerke aufgrund ungünstiger rechtlicher und wirtschaftlicher Bedingungen zusperren, würden die Wertschöpfungseffekte und die Beschäftigung im Vergleich zum ‚Business-as-Usual’-Szenario massiv sinken und die jährlichen Treibhausgasemissionen bei fossilem Ersatz durch Erdgas um jährlich 3 Mio. t CO2-Äquivalente steigen. Dadurch wird die Erreichung der Klimaziele erheblich erschwert. Zudem wären bei einem vollständigen Ausstieg rund 6.400 Arbeitsplätze gefährdet. Im Gegenzug würde bei einem Szenario, bei dem die Stromerzeugung aus Holzkraftwerken auf drei TWh erhöht wird, die Anzahl der Beschäftigten auf knapp 10.000 Vollzeitäquivalente steigen.“ 

Mehr Nutzen als Kosten. Für die Studie von BIOENERGY 2020+ wurden neben dem Börsenwert des Stroms auch die Einnahmen für den Staatshaushalt und die vermiedenen Kosten bewertet. Konkret waren dies Einnahmen aus Steuern, Sozialversicherungsabgaben, Lohnnebenkosten, und vermiedene Arbeitslosen- sowie CO2-Schadens-Kosten. Nicht bewertet wurden hingegen folgende Kostenfaktoren: Die Verringerung des Bedarfs an Stromspeichern, der Beitrag zur Netzstabilität und die Auswirkungen der Abdeckung des Fernwärmebedarfs und der kostendämpfende Effekt auf Waldpflegemaßnahmen sowie Forstschutz. „Es ist immer schwierig pauschale Aussagen zu treffen, aber anhand eines Beispiels wird das Potential von Holzkraftwerken deutlich. Ein durchschnittliches Holzkraftwerk auf Basis fester Biomasse erhält etwa 13 Cent/kWh Stromvergütung, dieser stehen positive Effekte zwischen 20 und 37 Cent/kWh gegenüber“, schildert Studienautor Christoph Strasser von BIOENERGY 2020+. „Der Vergleich erneuerbarer Energieträger untereinander und mit fossilen über den Einspeisetarif ist fehl am Platz und sollte künftig in Richtung einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtungsweise geändert werden.“

Politik aufgefordert zu handeln. Während der Heizsaison stammen etwa 60% der Strom-Erzeugung aus fossilen und atomaren Quellen – an kalten Wintertagen 80%. Für die Elektrifizierung des Energiesystems sind Holzkraftwerke daher von besonderer Bedeutung, da sie auch Strom produzieren, wenn Photovoltaik, Wind und Wasser schwächeln. „Mit der heutigen Studien-Präsentation wollen wir einen Beitrag zu mehr Verständnis im Bereich der Holzverstromung leisten und endlich mit dem Vorurteil des teuren Stroms aus Biomasse aufräumen“, erklärt Hans-Christian Kirchmeier, Vorsitzender der IG-Holzkraft. „Unserer Werke sichern etwa 6.400 Arbeitsplätze zum überwiegenden Teil im regionalen Gewerbe und generieren positive monetäre Effekte, die etwa doppelt so hoch sind wie die notwendige Unterstützung.“ Kirchmeier fordert von der Politik die Nutzung der nachhaltig verfügbaren Potentiale der Stromerzeugung aus Biomasse ein. „Wir stehen vor der absurden Situation, dass unsere Importabhängigkeit steigt und unsere heimischen Anlagen durch mangelnde gesetzliche Regelungen vor dem Zusperren stehen. Das Gegenteil sollte der Fall sein. Nutzen wir die uns zur Verfügung stehenden Potentiale, könnten wir die Importabhängigkeit reduzieren und die Arbeitsplätze in der Biomasse-Branche auf 10.000 aufstocken.“

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